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Day trip (solo dive) to the end of the Ressel

17./19. August 2012: Dreitagesausflug an die Ressel in Marcilhac-sur-Célé (FR)
Camping Marcilhac sur Célé.jpg
Letztes Frühjahr wollten Sebastian Kuster und ich in den Siphon 6 tauchen und den Südgang anschauen. Markus Schafheutle hat mir von diesem  Gang erzählt und uns gebeten, sollte es klappen diesen noch unerforschten Gang zu vermessen.

Da es mich schon immer gefuxt hatte weiter zu gehen als bis zur „obligatorischen Biwak-Halle“, freute ich mich auf den Tauchgang. Leider mussten wir diesen aber kurz vor dem auftauchen im S1 wegen technischen Problemen bei Sebis Kreisel abbrechen.

Kurz darauf erforschten  Ric & John genau diesen Gang bis zum nicht mehr passierbaren Ende. Für diese Exploration haben sie zweimal in der Höhle übernachtet.

So wie es aussah, war die Ressel also nun fertig erforscht. Trotzdem reizte mich die Ressel immer noch und ich wollte unbedingt wenigstens einmal bis an das Ende der Ressel tauchen und einen Blick in den Südgang werfen.
Irgendwie klappte es nie mit der Zeit oder mit verfügbaren Tauchpartnern, die in der Lage sind einen solchen Tauchgang zu machen.

Da bald aber wieder unsere Projekte in der „Sorgente Bossi“ und in der „Cogol die Veci“ beginnen, packte ich kurzerhand mein Gerödel zusammen und beschloss alleine nach Frankreich zu fahren.

Abfahrt war Freitag, 17. August 07:35Uhr. Problemlose Fahrt nach Marcilhac-sur-Célé wo ich gegen 16:30Uhr ankam. Kurz das Zelt auf dem örtlichen Campingplatz aufgestellt und gleich an die Ressel um zu schauen ob es Taucher vor Ort hat, wo mir etwas über die Bedingungen sagen konnten. Fazit: Wasserstand in der Célé gut und Sich in der Ressel bis zum grossen Schacht sehr trüb, aufgrund vieler Schüler und wenig flow.
Egal, ab nach Cajarc und ein deftiges Nachtessen verschlingen…..
Tauchequipment.jpg
Samstagmorgen, 06:15Uhr Tagwache, duschen und Müsli essen. Abfahrt an die Ressel und das Tauchmaterial runter zur Célé tragen. Mittlerweile trifft auch Stéphane Girardin ein, den ich am Abend vorher per Zufall auf dem Camping getroffen habe.

Genau 08:14 Uhr tauche ich in der Ressel ab und drücke den Trigger des Bonex Discovery RS.  Mit viel Schub und mit super Sicht ab dem Schacht, fetze ich dem Gang entlang. Beim aufsteigen im S1 sehe ich links auf etwa -34m einen Scooter liegen mit der Beschriftung „MAX“. Aha, anscheinend treffe ich andere Taucher in der Biwakhalle an…

Bereits nach 54 Minuten bin auf dem 6m Stopp des S1. Da bis jetzt alles absolut problemlos gelaufen ist, beschliesse ich kurzerhand alle anderen Stellen abzutauchen. Dieses sind der „Lac Isler“ und der „Lac Boulder“. Anschliessend geht es in die Biwak Halle. Zum Glück ist der Wasserstand gut und ich kann die „Schikanne“ langsam durchscootern. Und wieder danke ich Fritz……..
white legs.jpg
Nach 120 Minuten tauche ich in der Biwak-Halle auf und deponiere alles Material im Topf. Kein Mensch gibt auf meine Rufe antwort. Mit dem Gerät auf dem Rücken steige ich aus dem Wasser und setze mich mal auf den ersten grösseren Fels hin. Nun kommt der heikelste Moment, kann man die Luft gut atmen?

Ja man kann, aber für einen 100m Sprint reicht der Sauerstoffgehalt wohl nicht…. 

Trotzdem gehe ich direkt im Anzug und mit dem Gerät am Rücken zum Siphon 4. Dort deponiere ich das Gerät am Wasser und gehe zurück. Nun ziehe ich den Anzug aus und muss feststellen, dass das rechte Bein total abgesoffen ist. Da ich aber keinerlei Kälteprobleme hatte, hält mich das noch nicht auf. Also ziehe ich die Neoprensocken und die Sandalen an, die ich in einem Schleifsack unten an meinem KISS mit Snoopy-loops befestigt hatte. In Unterhosen und T-shirt, trage ich nun mit dem Schleifsack das restliche Material zum S4. Zurück im S3 bleibt nur der Bonex mit dem ich reingescootert bin.
S4 upstream.jpg
Nun wieder den Anzug anziehen und ab die Post. S4 ist so kurz, dass man ihn fast gar nicht bemerkt. Dann kommt der lange See den ich meistens an der Oberfläche durchscootere. Nach ca. 8 Minuten sind S4 & S5 durchquert und ich tauche im Ressel-Dom auf. Wieder im Anzug und mit dem Gerät am Rücken geht es nun den steileren Hang als vorher hinauf und auf der anderen Seite des Doms ziemlich steil wieder runter. Hier ist ziemliche Vorsicht angesagt. Gerät am Wasser deponiert und das gleiche Spiel wie vorher. Nun bleibt die Trockenröhre zurück. Zuerst verzehre ich aber einen der Energieriegel den ich mitgebracht habe. Anzug anziehen und ab geht’s.
S6 upstream_1.jpg
Bereits nach kurzer Zeit sehe ich den Nordwärts abgehenden Gang und werfe einen kurzen Blick rein. Dann geht’s mit Vollgas weiter. Wer unbedingt nur an ganzen Leinen nachtauchen will, sollte spätestens jetzt umkehren. Seit dem auftauchen im S1 ab etwa -50m, ist es nur noch ein vereinzelt Leinenfragment-Hüpfen……… aber mit Kreisel, no flow und 20m+ Sicht, stellt dies kein Problem dar. Dann kommt die Abzweigung wo es rechts zur Kredit-Halle geht und links schräg, in den Südgang. Zuerst gehe ich in die Kredit-Halle und schau mich bisschen um. Da ich nur eine 2Lt Argonflasche dabei habe, beschliesse ich hier nicht aufzutauchen und scootere wieder zurück zum Abzweiger in den Südgang. Am Boden liegt ein leeres Reel. Tja, Altmetal hat eigentlich nichts in einer Höhle verloren meine Herren……  
kleine Trockenroehre.jpg
Da ich keine abgehende Leine sehe aber viel Lehm, sehr, sehr viel Lehm, befestige ich einen Pfeil an der Leine zum Ausgang und daran mein Reel. Langsam schwimme ich den Lehmhang hoch. Die Decke kommt immer mehr herunter und die Sicht trübt unweigerlich ein. Dann geht die Decke wieder höher aber kurz danach hat es am Boden viele Platten die den Gang etwa 1m hoch verengen. Langsam zwänge ich mich mit kratzen am Rücken und Bauch über die Platten. Obwohl es in der Ferne gut weiter geht, beschliesse ich nach einem Blick zurück, wieder umzukehren. Bei fast Nullsicht reele ich mich zum Pfeil. Eigentlich wollte ich ja ans Ende des Südgangs. Mit abgesoffenem Bein, mittlerweile wurde es doch kühler, und dem Wissen, dass Ric & John etwas von sidemount und gefährlichen Versturz am Ende des Ganges erzählt hatten, hänge ich das Reel an die Seite und scootere zurück.

Nach 75 Minuten bin ich schon wieder zurück im Ressel Dom. Alles wie gehabt, ausser dass ich jetzt mein Bein zuerst noch ausleere. Nun mache ich noch ein paar Fotos, bevor ich wieder zurück in die Biwak-Halle scootere. Diesmal bin ich bereits nach 5 Minuten durch beide Siphons und kurz darauf wieder in der Auftauchstelle des S4. Dito.
S3 Equipment.jpg
Zufrieden mache ich mich im S3 parat. Leicht verwundert, dass ich den "MAX" nirgends angetroffen habe. Aber wie mir ein Freund im nachhinein erzählte, lag der Scooter schon im Juni da……

Also wahrscheinlich abgesoffen oder sonst defekt. Scheint die Ressel wird langsam zugemüllt 
Zum Glück muss ich dies mit meinen Bonex-Scootern nicht befürchten.

Da ich den "alten" Rekord mit den Silent-Magnus Scootern von vorletztem Jahr knacken will, beschliesse ich Vollgas zu geben
Also abgetaucht und mit halber Fahrt durch S3, Schikane und S2 bis es tiefer geht. Ab der letzten Abzweigung gehe ich auf Vollgas und gehe nicht mehr vom Trigger. Den scooter von MAX rechts liegen gelassen fetze ich den Gang entlang bis zum Schacht und mit Vollgas hinunter. Hammerhart Geil!  Mit kontinuierlichem  Druckausgleich komme ich in den horizontalen Gang und fliege der Leine entlang.

Nach 39 Minuten bin ich bereits im Schacht auf 30 Meter und sitze meinen ersten Dekostopp ab. Leicht schmunzelnd da ich weiss, dass ich den Rekord gebrochen habe....
Nach 74 Minuten tauche ich in der Ressel wieder auf. Auf die Minute genau nach 10 Stunden erblicke ich wieder die Sonne. Diese Zeit sollen die Jungs aus Italien mit ihren „Weltbesten“ Scootern mal nachmachen....

GO FAST – GO BONEX
back at home.jpg
Nun heisst es ohne „Sherpas“ alles Material wieder ins Auto hochtragen. Bei immer noch etwa 34° ein ziemlich heisses Vergnügen. Dafür trocknet das Zeug fast während dem Transport. Alles ins Auto verstaut und zurück zum Camping das erste Bier trinken. Eine Wohltat.

Nach einem feinen Nachtessen in Marcilhac und der standardmässigen Zigarre, haue ich mich aufs Ohr, um bereits wieder 05:30Uhr aufzustehen.

Zelt abgebaut und um 06:10Uhr bin ich auf dem Heimweg. Nach 9 Stunden wieder sicher zu hause.
Also quasi wie die Engländer eine dreitägige Exploration. 
Der Tag in der Ressel war anstrengend. Aber jedes Kilo das ich alleine zwischen den Siphons schleppen musste, haben die wunderschönen Höhlengänge längstens wieder wettgemacht.

Durch diese Gänge mit dem Scooter zu fliegen ist ein einmaliges Erlebnis. Trotzdem habe ich nun für mich die Ressel abgeschlossen und freue mich auf unsere laufenden Projekte mit meinen Freunden.  

Tauchdistanz / +- Scooterdistanz: 8'780 Meter (ohne Südgang)
Tauchzeit / +- Scooterzeit: 4 Std 43 Min (mit Deko)
Aufenthalt in Biwak Halle & Ressel Dom: 5 Std 17 Min

Siphon 3 - river Célé
Oficina PDF 48x48

Tauchequipment
Rückengerät: KISS 14/69
Bailout: SMIR-01 14/68
Argon: 2 Lt Stahlflasche
Anzug: Otter Trilaminat mit Nasshandschuhen
Scooter: 2 x Bonex Discovery RS
Dry Tube mit 3Kg Kalk (nicht gebraucht), Apotheke, Kamera, Flickzeug, Nasenspray (viel gebraucht), Energieriegel, Gatorade

Gasverbrauch
KISS: Diluent 85 Bar / 3 Lt (290 Bar), Sauerstoff: 110 Bar / 3Lt (245 Bar)
Argon: 255 Bar / 2 Lt Stahl (290 Bar)
SMIR-01: Diluent: 90 Bar / 1,7Lt (290 Bar), Sauerstoff: 0 Bar / 1,7 Lt  (280 Bar)

Zusätzlich  habe ich bei diesem Trip noch die 300’000Km bei meinem Frontera überschritten….
  • S3 downstream
  • S5 downstream
  • Ressel Dom (downstream up)
  • Ressel Dom (downstream)
  • S6 (SMIR & Discovery)
  • S6 (upstream)
  • 301'000km......