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Ehrenkodex der Höhlenforscher
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Sicheres Höhlenforschen
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Scurion Helmlampe

Erfahrungsbericht mit der Scurion Helmlampe in der Tauchversion
Befüllen der grossen Transportröhre
Bei unseren Post-Siphonerforschungen mussten wir bis anhin den Speleo-Helm mit der montierten Scurion, in der Trockenröhre transportieren. Die zwei Helme von André und mir nahmen somit in der Röhre sehr viel Platz in Anspruch, welchen wir für anderes Material besser  hätten gebrauchen können. Einige unserer Forscherkollegen sind nicht einmal im Besitz von solch grossen Trockenröhren. Viele riskierten deshalb mit der normalen Scurion den Siphon zu durchtauchen. Ein heikles Unterfangen. Es gibt Kollegen, wo bis -50m erfolgreich mit der Scurion getaucht sind. Meine hat sich in der Bossi im S6 bei -30m verabschiedet. Lampe konnte zwar wieder gerettet werden, der Akku aber war definitiv am Ar.. 
Einfache Verschraubung an der normalen Scurion
Wenn jemand die normale Scurion hat und unbedingt damit kleinere Siphons bis -30m durchtauchen möchte, empfehle ich ihm die sehr „einfache“ Verschraubung am Akku- gehäuse durch eine bessere zu ersetzen. Das Gehäuse und der Lampenkopf sollten an- sonsten locker eine Tiefe bis -30 Meter aushalten.
Der gekürzte Halter am Lampenkopf
Weil wir immer Platzprobleme hatten, habe ich meine normale  Scurion auf eine demontierbare Version umgebaut. In England ist diese Variante der Lampenbefestigung sehr ver- breitet. Sie heisst „blade-mount“ und von Petzl gibt es sogar kaufbare Lampenhalter für den Helm. Auch Rolf und Martin bieten einen Halter für den Lampenkopf an. Dieser ist mir persönlich aber zu lang und deshalb habe ich die Seitenarme, wo die Löcher für die Lampenaufnahme sind verkürzt. Das heisst, auf Höhe der originalen Löcher abgesägt und dahinter neue Löcher gebohrt. Somit ist der Lampenkopf näher beim Helm.
demontierbares Akkugehäuse
Leider gibt es für den Akkutank keine Halter. Ich habe es so gelöst, dass ich die Schrauben von der Akkubefestigung ver- kehrt reinschraubte  und am Helm zwei Schlitze reingedremelt habe. Nun ziehe ich einen snoopy-loop durch die Schlitze und ziehe sie über die Schraubenenden. Wenn der Snoopy-loop die richtige Länge hat (Motorradschlauch), hat er genug Zug um den Akkutank sicher zu halten. Das Kabel habe ich entsprechend kürzen lassen, damit es sauber am Helm anliegt.
Das ermöglicht mir nun den Helm auf dem Kopf oder in einem Schleifsack und die Lampe separat in der Röhre mitzuführen. Das braucht bedeutend weniger Platz und die Lampenteile haben nun auch in unserer kleinsten Transportröhre Platz.
montierte Version der Tauchscurion beim Ausstieg im S2 der Sorgente Bossi
Seit etwa einem Jahr  habe ich nun auch die Tauchversion der Scurion im Einsatz. Diese habe ich gekauft, weil wir in letzter Zeit sehr viel in Post-Siphonhöhlen forschen. Da ich es sehr schätze, wenn ich während dem Tauchgang ein Raumlicht habe wo mir das hantieren mit dem Material und das aussteigen aus dem Wasser erleichtert, hatte ich meinen ersten Helm mit der Polysublampe zusätzlich immer noch zum tauchen mitgenommen. Also führte ich zwei Helme und zwei Lampensysteme mit mir. Zusätzlich musste ich auch noch mindestens eine kleine Trockenröhre zwischen den Siphons mit mir schleppen, um den Lampenkopf sicher durch den Siphon zu bringen. Nun habe ich ein System, wo mir Raumlicht beim Tauchen gibt und einen vollwertigen Spelo-Helm, mit dem zurzeit wohl besten Licht, das es für die Höhlenforschung gibt.

Von einem Kauf dieser Tauchscurion als reine Tauchlampe rate ich aber ab. Da der Lampenkopf zu nahe bei den Augen ist, blendet der Lichtstrahl viel zu stark. Ich benutze deshalb die Scurion während des Tauchganges meistens auf der untersten Stufe vom Weitwinkel Modus. Nur bei absolut klarem Wasser kann man den Spot-Modus verwenden und die höheren Stufen zuschalten. Da man die Stufen unter Wasser verstellen kann, ist eine Anpassung an die Verhältnisse aber jederzeit möglich.
massivere Ausführung des Akkugehäuses mit den Inbussschrauben
Mit einem Totalgewicht von 661 Gramm, ist sie rund 200 Gramm schwerer als die normale Version. Tönt zwar nach nicht viel, aber 661gr auf einem Helm, wo meistens auch noch mindestens 400gr wiegt, strapaziert die Halsmuskulatur bei stundenlangen Aufenthalten in der Trockenhöhle doch recht stark. Wer also in die trockene Höhlenforschung einsteigt und gleich die Eierlegende Wollmilchsau kaufen will, empfehle ich deshalb zuerst einmal die normale Scurion. Hier muss es ja nicht gleich die teuerste sein. Auch die günstigste Variante ist bedeutend effizienter als die alten Karbidlampen und absolut ausreichend für eine sichere Höhlenbefahrung mit einer perfekten Raumaus- leuchtung. Wer sich aber wirklich mit Post-Siphonforschung auseinandersetzt, kommt wohl früher oder später auf die Tauchscurion. Die Vorteile überwiegen für mich persönlich die Nachteile der 200 Gramm Mehrgewicht und der fummeligen Akkuverschraubung mit den Inbusschrauben, die einem zwingt, bei längeren Vorstössen einen kleinen Inbusschraubenschlüssel bis in den hintersten Siphon für den Ersatzakku mitzunehmen. Aber hier kann man ja auch selber was „basteln“… 
Sorgente Bossi oberhalb des Siphon 6. Scurion in der normalen (Xavier) und in der Tauchversion
Gerade mein letzter Ausflug in die Ressel bis in S6, mit mehreren heiklen Trockenpassagen, hat mich nun völlig von der Tauchscurion überzeugt und ich würde sie nicht mehr hergeben. Auch in der Cogol dei Veci war uns die enorme Lichtleistung bei den Foto- aufnahmen sehr hilfreich. An der Kamera eine längere Belichtungszeit eingestellt und mit der Scurion die Höhle "ausmalen" voila...
Aber noch einmal, wer eine reine Tauchlampe sucht, wird mit der Tauchscurion nicht glücklich.
  • Sorgente Bossi
  • Tauchscurion im S2 der Cogol dei Veci (gerhard & Pedro)
  • auch so kann man sie einsetzen. Gerhard Wimmer mit meiner Tauchscurion und seiner aufgesetzten GoPro Kamera (Fontannazi)
  • Scurion Tauchversion
  • Akkubehälter der Tauchscurion
  • der Drehschalter für das Licht wurde besser gedichtet
  • auch dieser Drehschalter hält gut dicht...
  • bedeutend bessere Verschraubung an der Tauchscurion
  • dickeres Akkugehäuse und bessere O-Ring Dichtung
  • in der Tauchscurion wird der neue Akku-Typ verwendet.
  • demontierbare Scurion
  • verkürzter blade-mount Halter
  • der Lampenkopf steht weniger vom Helm ab
  • Schrauben anders herum eingedreht
  • Original Petzl Lampenhalter
  • zwei Schlitze gefräst und ein snoopy-loop durchgezogen
  • montierte Scurion
  • P1010064
  • hier sieht man gut den übergezogegen snoppy-loop
  • leider sind die Akkus untereinander nicht tauschbar
Im Anschluss ein paar Gedanken von mir, die vielleicht die alte Diskussion um Helmlampen in einem etwas anderem Licht erscheinen lässt.

Wir benützen einen Helm nicht als Schutz unter Wasser. Auch wenn wir meistens mit Scooter unterwegs sind, ist dies für uns noch kein Grund einen Helm zu tragen. Eine Helmlampe kann oder sollte nie eine gute Handlampe ersetzen. Auch wenn man alleine taucht, keine Handzeichen geben muss  und nicht die Gefahr besteht, dass man den Partner blendet. Die Ausleuchtung der Höhle mit einer Handlampe ist bedeutend effektiver. Lampen am Helm montiert, blenden einem selber sehr stark. Speziell bei vielen Schwebeteilchen. Der Effekt ist ähnlich, wie wenn man mit Fernscheinwerfer im Nebel fährt. Ich konnte zb bis jetzt die Tauchscurion noch nie gescheit mit voller Power tauchen.

Wir haben seit Jahren eine Polysub im Einsatz, die wir am „klassischen“ Höhlentaucherhelm oder besser gesagt, Lampenhalter montiert haben. Diese Lampe hat ein sehr angenehmes breites Licht und blendet dank der Diffusorscheibe fast nicht. Gerade beim arbeiten unter Wasser, vermessen oder ganz einfach beim ablesen der Instrumente oder hantieren an der Ausrüstung ist so ein Raumlicht direkt vor sich wo man hinschaut, einfach was fantastisches und vereinfacht vieles. Gerade wenn wir von komplexen Tauchgängen mit viel Ausrüstung reden, ist eine solche Lichtquelle ein wichtiger Faktor um den Task-load nicht noch unnötig zu vergrössern, nur weil man mit der klobigen Handlampe nie das Licht dort hat wo es gerade sein sollte. Dieser Helm ist zwar ein guter „Lampenhalter“, hat aber nicht wirklich eine Schutzfunktion ausserhalb des Wassers. Wir benützen ihn also nur für reine Tauchgänge.

Sobald wir von Höhlentauchen mit mehreren Siphons reden und das ist hier der Zweck, kommen wir um einen richtigen  Helm mit richtiger Lampe nicht herum. Abgesehen von den verschiedenen Meinungen zu diesem Thema, möchte ich hier einmal denjenigen wo es angeht, folgendes  ins Bewusstsein rufen…

Wenn ein Höhlentaucher während dem Tauchgang verstirbt, ist eine Bergung des Tauchers „relativ“ einfach. Obwohl die Bergung  hochkomplex ist, hat man  keinen Zeitdruck und kann jederzeit während der Bergung abbrechen oder wenn es zu gefährlich wird, sogar die Bergung ganz einstellen.

Sobald wir aber das Wasser hinter einem Siphon verlassen, besteht die Möglichkeit einer Verletzung. Das kann bereits beim klettern aus dem Wasser durch ausrutschen auf den feuchten Felsen sein,  oder beim befahren des trockenen Höhlenganges zwischen den verschiedenen Siphons. Meistens muss man ja noch Material schleppen und vielfach auch Schächte und Schlote technisch befahren.

Eine Rettung von einem verletzten Höhlentaucher hinter einem oder sogar mehreren Siphons ist für die involvierten Retter der absolute Alptraum. Die Versorgung des Verletzten mit Rettungsmaterial hinter dem Siphon ist das kleinste Problem. Aber auch bis diese erfolgt werden Stunden vergehen.

Zum nachdenken:
  • Es wird mehrere Stunden gehen, bis die Retter beim Verletzten sind und erste Hilfe leisten können
  • Generell gibt es nicht viele Retter die tiefe und lange Siphons tauchen können
  • Eine solche Rettung kann aufgrund der Komplexität unter Wasser (Transport des Verletzten) wahrscheinlich nur durch Taucher mit CCR Geräten durchgeführt werden. Solche gibt es im Moment noch nicht viele in der speleo-secour.
  • Es gibt in den verschiedenen speleo-secours noch weniger Tauchärzte, die lange und tiefe Siphons tauchen können

Persönlich kenne ich von einer Übung mit der französischen speleo-secour, ihre Unterwasserbahre wo es ermöglicht, einen verletzten Höhlentaucher durch einen Siphon zu transportieren. Hier liegt der Verletzte auf dem Rücken und atmet durch eine Vollgesichtsmaske. Für den Transport braucht man mindestens 6 Personen. Einer überwacht den Patienten, einer ist für die Gasversorgung (versch. Gaswechsel bei tiefen Siphons) verantwortlich, einer tariert die Bahre und dann gib es noch den Chef plus die Bahrentransporteure.

Ein mögliches Szenario wie ich es mir aufgrund vieler Tauchberichte vorstellen könnte:

Ein Zweierteam mit Kreislaufgerät und Scooter taucht in der Ressel zur Biwakhalle. Sie steigen aus dem Wasser und klettern die Felshalde hoch. Die Luft ist schlecht und einem der Taucher wird es schwindlig. Er rutscht aus, gerät mit dem  Fuss zwischen zwei Felsblöcke, stürzt und bricht sich das Bein.

Wahrscheinlich haben sie eine kleine Notfallapotheke dabei. Okay, nun ist die Frage was sinnvoller ist. Die Alarmzeit abwarten, was wahrscheinlich bei diesem Tauchgang Stunden geht, oder den Verletzten alleine zurück lassen, alleine austauchen und die speleo-secour alarmieren. So oder so wird es wohl mehrere Stunden und ich meine mindestens 8-12 Stunden  gehen, bis im glücklichsten Fall ein Arzt oder Sanitäter beim Verletzten ist. Kein Zuckerschlecken für den Verletzten, wenn er überhaupt noch am Leben ist. Und ein Beinbruch ist ja noch was Einfaches. Er hätte genauso gut auf den Kopf fallen können und sich dabei eine schwere Kopfverletzung zugezogen haben, oder beim  Fotografieren ab dem höchsten Felsklotz gefallen sein und sich einen Rückenwirbel gebrochen haben.

Nun also muss der Patient mit der Bahre durch einen 2,4km langen und -78m tiefen Siphon gebracht werden. Aufgrund der Komplexität gehe ich davon aus, dass man diese Strecke nicht scootern kann. Also 6-8 Taucher schwimmen diese 2,4km, betreuen dabei den Patienten und ziehen die Bahre. Jeder der LeserInnen kann sich wohl ausmalen, was das heisst. Ansonsten soll er mal diesen Tauchgang zu Fuss durchrechnen und sich die gewaltigen Gasmengen vorstellen. Notabene gelten bei Rettungen sehr hohe Anforderungen an die Sicherheitsreserven. Bis man nur die gewaltige Anzahl an Flaschen für die Taucher und die verschiedenen Depots in die Höhle gebracht hat, man muss ja auch noch zuerst die Gase mischen, vergehen wohl 1-2 Tage.

Also eine gewaltige Leistung für die Retter und auch eine gewaltige Gefahr die diese auf sich nehmen. Und jeder der im Rettungswesen aktiv ist, ob Bergrettung, Höhlenrettung oder einer anderen Rettungsorganisation, kann sich auch den riesigen Aufwand eines Transports des Verletzten im trockenen Teil der Höhle vorstellen. Hier müssen Flaschenzüge, Tyroliennes etc. eingerichtet werden. Dazu braucht man Bohrmaschinen, Seile, Einrichtungsmaterial etc, welches zuerst einmal hinter den oder die Siphons gebracht werden muss.

Und nun komme ich auf den Punkt, warum ich dieses schreibe.

Bei all meinen Tauchgängen hinter Siphons, haben mich immer wieder Kollegen begleitet, die abertausende von Franken in Ihre Tauchausrüstung gesteckt haben, die grössten Tauchlampen mit sich schleppen und dann an der Auftauchstelle aus dem Gerät steigen und fragen, kannst du mir rasch leuchten…..

Dann klettern sie mit einer Kerzenlampe die sie dazu noch in der Hand halten müssen, aus dem Wasser und holen ihre 50 Franken teuren  Petzl Stirnlämpchen aus der Tasche oder binden mit einem Fahrradschlauch ihre Scoutlampe um den Kopf. Und dann wollen sie damit ohne Helm auf dem Kopf, hinter einem -90m tiefen oder 2,5km langen Siphon die Höhle erforschen gehen und dabei über Felsen und loses Gestein klettern.

Es kann dem erfahrensten Höhlenforscher passieren, dass er ausrutscht und sich was bricht. Aber ich denke gutes Licht ist die Voraussetzung, dass man sich in einer Höhle sicher bewegen kann. Dazu führt schwaches Licht unweigerlich dazu, dass man sich extrem konzentrieren muss. Dies führt zu einer schnellen Ermüdung und dann lässt die Konzentration, zusammen mit der Kälte hinter dem Siphon, schnell nach und dies führt zu einer erhöhten Unfallgefahr.

Sobald man also hinter einem Siphon aus dem Wasser steigt trägt man einen Helm und an diesem ist die bestmöglich erhältliche Lampe montiert. Denke wir sind es den Rettern schuldig, dass wir alles unternehmen um die Unfallgefahr so niedrig wie möglich zu halten. Deshalb sichern wir zB. auch leichte Kletterstellen mit Seil und tragen alle einen Helm mit guter Beleuchtung.

Pedro